Vitamine stehen weit oben auf der Beliebtheitsskala und nicht wenige würden wohl Vitamine und Gesundheit gleichsetzen. Zheng Ye und Honglin Song von der University of Cambridge haben dieser Tage eine Meta-Analyse über den Zusammenhang zwischen der Einnahme antioxidativer Vitamine (Vitamin C, E und beta-Carotin) und dem Risiko koronarer Herz-Erkrankungen im European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation veröffentlicht (1). Sie haben 15 grosse Studien mit insgesamt 375’000 Probanden zusammengefasst und schlossen ihre Analyse mit dem Satz ab, “die Einnahme antioxidativer Vitamine ist ermutigend in Bezug auf Prävention koronarer Herz-Erkrankungen”. Beim Vitamin C gab es eine Risikoreduktion von 16 % für die Leute, die “viel Vitamin C” zu sich nahmen im Vergleich zu den Leuten, die “wenig Vitamin C” einnahmen. Für das Vitamin E war die entsprechende Risikoreduktion 24 %, für beta-Carotin 22 %. Gleichzeitig schreiben die Autoren aber auch, dass der Zusammenhang bei Vitamin C und beta-Carotin “schwach … und ungewiss ist”. Die Untersuchung der Risikoveränderung einer einzelnen Krankheit ist sicherlich interessant. Wie sieht es aber aus, wenn die Risikoveränderung der Sterblichkeit bedingt durch alle (und nicht nur einer) Krankheiten betrachtet wird?

Eine entsprechende Meta-Analyse erschien Mitte April 2008, wobei dort nur als Supplement eingenommene Antioxidantien berücksichtigt wurden (2). Beim Vitamin A, beta-Carotin und Vitamin E wurde ein signifikant höheres Risiko der Gesamtsterblichkeit beobachtet, beim Vitamin C gab es keinen negativen Zusammenhang. Die Schlussfolgerung der Autoren lautet: “… keine Evidenz dafür, dass antioxidative Supplemente in der Prävention einzusetzen sind… Antioxidative Supplemente müssen als Medikamente betrachtet werden”.

Liefern die beiden Meta-Analysen gegensätzliche Ergebnisse? Möglich, da die Methodik der beiden Analysen nicht identisch war. Aber vielleicht ist die Berücksichtigung einer einzelnen Krankheit weniger relevant als die Verwendung der Gesamtsterblichkeit als Zielgrösse. Denn es ist durchaus denkbar, dass das Risiko einer Krankheit reduziert wird, währenddem gleichzeitig das Risiko anderer Krankheiten erhöht wird.

1. Ye Z, Song H. Antioxidant vitamins intake and the risk of coronary heart disease: meta-analysis of cohort studies. Eur.J.Cardiovasc.Prev.Rehabil. 2008;15:26-34.

2. Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst.Rev. 2008;Art. No.: CD007176.