Vitaminpräparate gehören zu den beliebtesten Supplementen. Sind sie aber notwendig, überflüssig oder gar schädlich?

Menschen essen Lebensmittel und nicht Nährstoffe. Zumindest war dies von der Natur aus so geplant. Seit spätestens 1919 gibt es aber Vitamine als Multivitamin Supplemente (vgl. “Fette Irrtümer“, Kap. 3). Der Siegeszug der Vitamin Supplemente hängt vom Glauben ab, dass Vitamine per se gesund sind und heute unsere Lebensmittel dermassen fehlgezüchtet sind, dass sie zu wenige Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Glauben hat aber nicht oft mit Evidenz zu tun…

In der kürzlich veröffentlichten Teiluntersuchung der Women’s Health Study – eine Langzeitstudie an über 37’000 in Gesundheitsberufen tätigen Frauen in den USA – wurde der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Multivitamin Supplementen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforscht. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über knapp 17 Jahren und zu Beginn der Studie im Jahre 1992 nahmen knapp 40 % der Frauen ein Multivitamin Supplement.

Egal von welcher Seite die Ergebnisse betrachtet und mit welchen Methoden sie berechnet wurden, ein positiver Zusammenhang wurde nicht festgestellt. Bei allen Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es nicht weniger Erkrankungen oder Todesfälle bei den Frauen, die Multivitamin Supplemente einnahmen. Im Gegensatz zu anderen Langzeitstudien sah man diesmal bei Einnahme der Supplemente aber keine erhöhte Gefahr zu erkranken.

Auch wenn diesmal keine erhöhte Gefahr eines verfrühten Todes bei Einnahme von Multivitamin Supplementen vorlag, so zeigt diese Studie zum x-ten Mal, dass kein Nutzen solcher Supplemente zu erwarten ist. Eine ausgewogene Lebensmittelauswahl ist allemal sinnvoller als die Einnahme von Nährstoffen in isolierter Form. Und auch natürlicher.

1. Rautiainen S et al. Am. J. Clin. Nutr. 2015; 101:144–52.